Autogas
Autogas (Propan-/Butangemisch) wird verwendet als Kraftstoff für Ottomotoren und das mit einer langen Tradition. Selbst der erste Ottomotor, erfunden 1876, wurde mit Gas betrieben. Erst 1884 mit der Erfindung der elektrischen Zündung konnten die Motoren auch mit flüssigem Treibstoff, ähnlich dem heutigen Benzin, betrieben werden. Autogas verbrennt umweltfreundlicher als Benzin, Stickoxide werden um ca. 80 % reduziert, CO2-Emissionen um ca. 15 % und unverbrannte Kohlenwasserstoffe um ca. 50 %.
Als Faustregel galt früher, dass Motoren im Gasbetrieb ca. 10 % bis 20 % mehr Autogas als Benzin verbrauchen. Das ist mittlerweile überholt, selbst der größte europäische Automobilclub, der ADAC, bescheinigt Fahrzeugen mit modernen Autogasanlagen einen Mehrverbrauch von höchstens 5 % bis 10 %.
Im benachbarten Ausland hat sich LPG als Kraftstoff längst durchgesetzt, der Begriff Alternativkraftstoff triff hier bereits nicht mehr zu. Italien, Frankreich, Deutschland, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Polen und fast alle anderen europäischen Länder verfügen über ein flächendeckendes Netz an LPG-Tankstellen und eine entsprechende Fahrzeugdichte.
Gewonnen wird Autogas als Beiprodukt bei der Treibstoffherstellung in Raffinerien und bei der Förderung von Erdgas als sogenanntes Beigas, das lange Zeit abgefackelt wurde, bevor es Fahrzeugen als Antrieb diente.
Im Alltag begegnet uns Autogas in Form von Flüssiggas zum Beispiel in Feuerzeugen (Butan), als Treibmittel in Sprühdosen oder als Kältemittel in FCKW-freien Kühlschränken. Es wird auch zum Heizen, Grillen und in Wohnmobilen zum Betrieb von Klimaanlagen eingesetzt.
Adapter
Um Autogas zu tanken, benötigt man einen Adapter, der als Bindeglied zwischen dem Tankeinfüllstutzen und der Zapfpistole dient. Man unterscheidet zwischen ACME-Adaptern, die in Belgien, Deutschland, Irland, Österreich, der Schweiz und Polen üblich sind sowie Dish-Adaptern, die vorwiegend in Italien, Frankreich, Griechenland und den Niederlanden Verwendung finden. Diese Adapter gehören allerdings zum Lieferumfang guter Gasanlagen und lassen sich kinderleicht, auch vom besseren Geschlecht, auf den Tankeinfüllstutzen schrauben. Sollte man den passenden Adapter nicht an Bord haben, helfen die Tankstellen in der Regel gern aus.
Additive
Benzin verfügt über Additive, die die Ventile und die Ventilsitzringe schützen. Diese Zusätze fehlen im Autogas. Das macht den meisten Motoren nichts aus, einige Fahrzeuge mit besonders weichen Ventilen benötigen jedoch zusätzliche Additive, die die Ventile schützen. Erfahrene Umrüster kennen die Problematik und weisen ihre Kunden darauf hin, um Motorschäden gänzlich auszuschließen.
Autogasanlage
Die Autogasanlage besteht aus dem Autogas-Tank, der anstelle des Reserverades in der Reserveradmulde untergebracht ist. Anstelle des Reserverades gehört ein Pannenkit ebenfalls zum Lieferumfang einer guten Autogasanlage. Wesentliche weitere Komponenten sind das Gassteuergerät und die Gaseinspritzdüsen. Die Funktionsweise einer Gasanlage ist denkbar simpel: Das flüssige Gas wird in einen Verdampfer geleitet, der es in gasförmigen Zustand versetzt. Danach wird es anstelle des Benzins in das Ansaugrohr eingespritzt. Die Menge des eingespritzen Gases bestimmt das Gassteuergerät, das im Gasbetrieb die Funktion des Benzinsteuergeräts übernimmt und die Werte, die das Benzinsteuergerät ausgibt, auf die entsprechende Autogasmenge umrechnet. Hier spricht man von einer äußeren Gemischbildung, weil das Gemisch nicht im Brennraum entsteht. Einige wenige Firmen arbeiten neuerdings mit einer Einspritzung des flüssigen Autogases direkt in den Zylinder und nutzen dabei sowohl die Benzinpumpe als auch die Einspritzdüsen für das Autogas. Diesen Vorgang nennt man innere Gemischbildung, da hier das zündfähige Gemisch erst im Brennraum entsteht. Die Technik ist hinsichtlich der Haltbarkeit der einzelnen Komponenten (insbesondere Benzinpumpe und Einspritzventile) jedoch noch nicht hinreichend erprobt und rechtlich zweifelhaft, da die Homologation auf tönernen Füßen steht. Generell ist von solchen Lösungen derzeit abzuraten.
Autogasanlagenhersteller
Die bedeutendsten Hersteller von Autogasanlagen sind Landirenzo und BRC, beide mit Sitz in Italien. Zum Landirenzo-Konzern gehört auch deren Tochter Lovato, BRC verfügt noch über die Marken TeleflexGFI und Zavoli. Hierbei handelt es sich um seriöse Konzerne, die die großen Automobilhersteller ebenfalls mit Gasanlagen beliefern. Landirenzo-Produkte findet man in Fahrzeugen von VW, Skoda, Seat, Opel, Renault und Dacia, BRC beliefert Ford und Chevrolet sowie Subaru (Teleflex). Allein diese beiden Hersteller sind börsennotiert. Landirenzo ist am Mailänder Star-Segment vertreten (WKN: A0MUQC), BRC ist der Holding Fuel Systems Solutions Inc. (WKN A0KFDS) integriert und an der New Yorker Technologiebörse NASDAQ notiert. Damit unterliegen beide Hersteller den strengen Börsengesetzen und jedermann kann sich täglich über diese beiden Hersteller eingehend informieren. Diese Sicherheit und Transparenz bieten Kleinhersteller von Gasanlagen dem Endverbraucher nicht.
Autogastanks
Autogastanks bestehen aus gut 3,5 mm dickem, druckfestem Stahl und werden überwiegend in der Reserveradmulde des Fahrzeugs untergebracht. Anstelle des Reserverads tritt dann für Notfälle ein Pannenkit. Neben den Ringtanks für die Reserveradmulde gibt es noch Unterflurtanks und Zylindertanks zur Speicherung von LPG. Zylindertanks fassen bis zu 120 Liter Autogas. Um auf die Umgebungstemperatur reagieren zu können, wurde der Füllstopp eines Tanks bei 80 % gesetzt, das heißt, dass die Befüllung automatisch gestoppt wird, wenn 80 % des möglichen Tankinhalts erreicht sind.

