Opel bietet gleich fünf Modelle mit Autogas an
Auch wenn der Weg, der Opel noch bevorsteht, kein leichter sein wird, es ist zumindest der Richtige. Die Rüsselsheimer gaben kürzlich bekannt, jetzt auch fünf Modelle mit LPG-Antrieb anbieten zu wollen, und zwar zwei unterschiedliche Corsa-Versionen, den Meriva, den Astra Caravan und den Opel Zafira. Die Angebotspalette reicht von 57 kW (78 PS) im kleinsten Corsa bis hin zu 100 kW (136 PS) im Zafira. Gerade noch rechtzeitig, könnte man meinen, denn Ford und VW hatten bereits vorgelegt und bieten LPG-Fahrzeuge ab Werk an, die sich derzeit verkaufen wie die viel zitierten „warmen Semmeln“.
Opel hat sich bei der Entwicklung der LPG-Motoren besonders dem Thema Dauerhaltbarkeit gewidmet. So wurde der Verbrennungsprozess im Gasbetrieb optimiert und das LPG-Steuergerät auch für Motoren mit hoher Laufleistung abgestimmt. Für hohe Laufleistungen werden ebenfalls speziell gehärtete Ein- und Auslassventile sowie Ventilsitze im Motor eingebaut.
Bis dato war Opel-Tuner Irmscher aus Winnenden als Nachrüster zuständig für das Thema LPG im Hause Opel und hatte auch schon eine Vielzahl von Vertragswerkstätten entsprechend auf die Produkte von Landirenzo geschult. Harald Leng, Irmscher-Geschäftsführer hegt denn auch keinen Groll gegen die Konzern-Mutter: „Uns war klar, dass Opel das Thema irgendwann selbst besetzen würde.“ Doch ganz aus der Hand geben muss Irmscher das LPG-Geschäft natürlich nicht: Nachrüstungen werden immer noch mit dem besonderen Know-how von Irmscher vorgenommen, zumal die Kits auf die Bedürfnisse der Opel-Fahrzeuge abgestimmt sind.
Dass man die Umrüstungen jetzt aber auch ins Werk nach Rüsselsheim integriert, zeigt, welche Bedeutung die Opel-Marketing-Strategen dem LPG-Markt auch zukünftig beimessen. Der Schritt war in jedem Fall richtig, denn mit Autogas kann man die Probleme der Autofahrer von heute lösen, andere Antriebsenergien haben den Zustand der Serienreife längst noch nicht erreicht, auch wenn man beispielsweise um Elektroantriebe landauf und landab eine selten gekannte Euphorie entfacht.
Logistisch haben die Opelaner für diesen Schritt aber wahre Meisterleistungen im Vorfeld der Umrüstung zu erledigen: Der Corsa wird in Eisenach gebaut, der Astra in Bochum und Antwerpen, der Zafira ausschließlich in Bochum und der Meriva muss, wie alle anderen Modelle auch, aus dem spanischen Saragossa einen Weg über Rüsselsheim machen, bevor er, umgerüstet auf Autogas, beim Kunden
Zuständig dafür, dass dieser die Segnungen des günstigen LPG-Antriebs auch in Anspruch nehmen kann, ist die Opel-Tochter OSV, was soviel bedeutet wie Opel Special Vehicle. OSV baut bei Opel alles, was von der Stückzahl für das Fließband zu gering ist und in die Arbeitsabläufe nicht hineinpasst. Ob Polizeifahrzeuge, Taxen, Fahrschulwagen oder andere Sonderaufbauten, allen verpasst OSV den letzten, speziellen Schliff.
Dafür sind 250 besonders qualifizierte Mitarbeiter in Rüsselsheim auf einer Fläche von gut 20.000 qm zuständig. Die Fahrzeuge werden hier angeliefert, um dann ebenfalls wie am Fließband weiter verarbeitet zu werden. Für die LPG-Modelle muss allerdings schon im Vorfeld einiges berücksichtigt werden. Die erhalten in den Motorenwerken in Österreich gleich gehärtete Ventile und Ventilsitze verpasst, um sie für den Betrieb mit Autogas besonders haltbar zu machen. Das ist ein Unterschied zu den Nachrüstlösungen aus dem Hause Irmscher, bei denen man aus Kostengründen auf diese zusätzlichen Modifikationen
In einer kleinen Linie werden den Opelfahrzeugen die Gasanlagen quasi „eingepflanzt“, selbstverständlich entsprechend vorkonfektioniert, um kostbare Arbeitszeit zu sparen. Dabei ist das Thema Gas bei der OSV nicht ganz fremd. Seit 2001 verarbeiten die Mitarbeiter bereits Erdgasanlagen und dürfen sich jetzt freuen, dass die LPG-Tanks wesentlich weniger Gewicht ausweisen als die schweren Erdgastanks, die Drücken von 200 bar und mehr standhalten müssen.
Ilona Köhler, zuständig bei OSV für das Thema Marketing, kann mit beeindruckenden Zahlen aufwarten: „Sieben bis acht Arbeitsstunden sind für den Gasanlageneinbau veranschlagt, pro Fahrzeug, wohlgemerkt.“ Normale Umrüstwerkstätten benötigen dafür mindestens die doppelte Zeit, wenn nicht noch mehr. Nur so lässt sich aber auch der eher moderate Aufpreis von 2.200 Euro realisieren, den Opel für einen Umbau auf Autogas ab Werk
Nicht vergessen darf man dabei, dass die Gasanlage vollends in die zweijährige Herstellergarantie integriert ist. Für den Endkunden ist sie ein hundertprozentiger Bestandteil des Fahrzeugs, die Opel-Servicepartner sind, wie bereits geschildert, auf die LPG-betriebenen Fahrzeuge entsprechend geschult und auch die Serviceintervalle unterscheiden sich nicht von den Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb. Außerdem darf der Käufer eines LPG-Opels ab Werk sicher sein, das dieser nicht nur seine Dauerlaufeigenschaften auf der Teststrecke in Dudenhofen unter Beweis stellen musste, sondern auch sämtliche Crashtests sowie Brandtests erfolgreich absolvieren musste, bevor die Modelle als Werkslösung ausgeliefert werden.
Als Zielgruppe für den Absatz der Fahrzeuge hat Opel den gesamten europäischen Markt ausgemacht, besonders hohe Nachfrage erwartet man aus Ländern mit hoher Autogas-Affinität wie den Niederlanden, Frankreich, Belgien und natürlich Deutschland und die Schweiz. Aber auch, wie aus dem Hause Opel verlautbare, sollen bereits Österreicher ihr Interesse bekundet haben, auch wenn das Tankstellennetz in der Alpenrepublik noch große Lücken aufweist. Nur Italien genießt eine Sonderstellung: Die Fahrzeuge werden dort direkt bei Landirenzo umgebaut. Hier ist die Nachfrage, speziell wegen der hohen staatlichen Förderung der Umrüstung, traditionell besonders groß.
Bestellbar waren Corsa und Meriva bereits am Ende Juli, Anfang August konnten auch Astra und Zafira geordert werden, die Auslieferung beginnt Ende September. Interessant ist dabei, dass sich Opel mit dem LPG-Angebot eine besondere Konkurrenz im eigenen Haus zum Diesel geschaffen hat. So kostet der 1,4-Liter-Corsa mit LPG gerade einmal 14.780 Euro, der vergleichbare 1,3-Liter-Corsa mit dem Dieselaggregat ist im Verkauf noch 50 Euro teurer. Das eröffnet für die LPG-Variante ungeahnte Chancen am Markt.
Ähnlich sieht es auch beim Zafira aus: Der Diesel (110 kW) kostet in der günstigsten Variante 28.080 Euro, der Erdgas-Zafira (Turbo, 110 kW) immerhin 25.435 Euro und der geringfügig schwächer motorisierte Zafira mit LPG (100 kW) ist schon für 23.995 Euro zu haben. Bei diesen Preisunterschieden kann man unschwer erkennen, für welches Modell sich der Opelkunde künftig entscheiden wird. Die deutlich höhere Anzahl an Autogas-Tankstellen im Vergleich zum Erdgas werden auch längere Urlaubsfahrten, die man mit geräumigen Familienfahrzeugen schon mal vornimmt erst möglich.


